„Wir widmen uns den Künstlerinnen und Künstlern der Zinkenbacher Malerkolonie und deren Zeit in all ihrer Vielfalt.“

Das kleine Kunstmuseum in St. Gilgen – Museum Zinkenbacher Malerkolonie“ widmet sich den Künstlerinnen und Künstlern der Zwischenkriegszeit und vornehmlich jenen Malerinnen und Malern welche in dieser Zeit, im damaligen Zinkenbach (heute Abersee), einem Ortsteil von St.Gilgen am Wolfgangsee, eine Künstlerkolonie bildeten. Darüber hinaus hat die Arbeit des Trägers des Museums (Museumsverein Zinkenbacher Malerkolonie) die „verlorene Generation“ im Focus, das sind jene Künstlerinnen und Künstler welche emigrieren mussten oder nach dem Krieg die neuen Strömungen der Malkunst nicht mitgetragen haben und damit in Vergessenheit geraten sind.“

Geschichte der Zinkenbacher Malerkolonie

Das Zusammentreffen unterschiedlicher Künstlerinnen und Künstler auf dem Adambauernhof in Zinkenbach erwähnte erstmals Dr. Wolfgang Born im Jahre 1932 im Neuen Wiener Journal, er bezeichnet darin die Gruppe als Zinkenbacher Malerkolonie. In seinem Artikel listet Born mit Ferdinand Kitt, Ernst Huber, Georg Ehrlich, Bettina Bauer-Ehrlich, Georg Merkel, Louise Merkel-Romée, der Familie Zülow und schließlich Lisel Salzer nicht nur die Künstler der ersten Stunde auf, sondern er gibt der Gruppe auch ihren Namen.

Born nennt den damaligen Direktor der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums, Dr. Arpad Weixlgärtner, als „Pionier“ beim Adambauern in Zinkenbach, der Ferdinand Kitt den Weg dorthin gewiesen haben soll. Auch Ludwig Heinrich Jungnickel hielt sich bereits um 1918 in St. Gilgen auf, zu dessen Gemeindegebiet Zinkenbach gehörte. Entweder Weixlgärtner oder Jungnickel brachte Ferdinand Kitt auf das wunderschöne Gebiet rund um den Wolfgangsee, der daraufhin um 1926 als Erster mit seiner Frau zum Adambauernhof in Zinkenbach reiste.

Die Künstler der Zinkenbacher Malerkolonie lernten sich im Vorfeld in Wien kennen. Ferdinand Kitt und Josef Dobrowsky studierten zusammen an der Akademie der bildenden Künste. Beide traten im Jahre 1919 der Wiener Secession bei, wo Ernst Huber auf sie traf. Im Jahre 1922 stellte Franz von Zülow in der Secession aus und lernte dabei Kitt und Dobrowsky kennen. Huber und Zülow wiederum verband seit der gemeinsamen Teilnahme an der Kunstschau im Österreichischen Museum für Kunst und Industrie in Wien 1920 eine lang anhaltende Freundschaft.

Im Jahre 1927 wurde Sergius Pauser Mitglied der Wiener Secession, wodurch er Kitt und Dobrowsky kennenlernte. Er war somit der Letzte, der zu der Gruppe, bestehend aus Kitt, Dobrowsky, Huber und Zülow, stieß. Aufgrund dieser Treffen wurde die Gruppe auch als Neumarkrunde bekannt. Da es sich in erster Linie um eine Zusammenkunft der fünf Künstler handelte, entstand auch der Terminus Künstlerkreis der Fünf.

Ferdinatnd Kitt, 1932

1923 hatten die Zülows Hirschbach im Mühlviertel für sich entdeckt und seit 1928 immer wieder Freunde zu sich eingeladen. Zu Weihnachten 1929 zog der Künstlerkreis der Fünf von Wien nach Oberösterreich. Diese Treffen wurden auf Einladung von Ferdinand Kitt in den 1930er Jahren zusammen in Zinkenbach fortgesetzt. Vor allem von 1932 bis 1936 sollen bis zu 27 Künstlerinnen und Künstler die Kitts während der Sommermonate und auch im Winter beim Adambauern besucht und eine fröhliche und ausgelassene Zeit miteinander verbracht haben.

Das Malschiff

Die sommerlichen Zusammenkünfte befreundeter Künstler rund um den Wiener Ferdinand Kitt begannen 1932. Politisch Geduldete wie Verfolgte, völkische, monarchistische, kommunistische, selbst nationalsozialistisch eingestellte Künstler und Künstlerinnen, verbrachten gemeinsam ihre Zeit in Zinkenbach – im „Malschiff“, wie sie es nannten. Nur wenige der zuvor am Wolfgangsee weilenden Künstler blieben der Nachwelt ein Begriff. Einzelne wie Kitt, Huber und Pauser werden bis heute mit dem Zinkenbacher Freundeskreis in Verbindung gebracht.

Aktuelle Ausstellung

Alfred Gerstenbrand | Ein Maler auf Reisen

19. Juni bis 10. Oktober 2021

Alfred Gerstenbrand war schon in relativ jungen Jahren viel auf Reisen. Sowohl als Kriegszeichner in den Ländern der Monarchie als auch als Privatmann auf Studien- und Ferienreisen kam er in viele Länder Europas, Afrikas bzw. Nord- und Südamerikas. Die Sommerausstellung des Museums zeigt einen Ausschnitt aus einer Fülle von Eindrücken, die der Künstler auf Papier und Leinwand zum Ausdruck brachte.

Geschichte des Museums

Es mag ein gutes Omen gewesen sein, dass ausgerechnet im Jahr 1994, als sich die Gründung der k.k. Volksschule St. Gilgen zum hundertsten Mal jährte, ein Proponentenkomitee für die Zinkenbacher Malerkolonie gegründet wurde, aus dem 1996 ein Museumsverein hervorging. Von Anfang an, als es darum ging, die Idee zu verwirklichen, den Künstler/innen aus Wien, die sich in der Zwischenkriegszeit in St. Gilgen am Wolfgangsee aufhielten, eine bleibende Erinnerungsstätte zu schaffen, stand dieses Projekt unter der Patronanz von Bürgermeister Wolfgang Planberger und der Kulturabteilung der Salzburger Landesregierung. Allerdings war nicht vorauszusehen, dass dieses Vorhaben sieben Jahren dauern würde.

Lisel Salzer und Christina Steinmetzer

Die Räume in der 1965 aufgelösten Volksschule wurden allmählich wieder einem kulturellen Zweck zugeführt, der Umbau sollte 1999 beginnen. Dann schritt allerdings mit Mitteln des Landes für die Handwerksarbeiten und der Mithilfe der Gemeindebauarbeiter das Werk so zügig voran, dass 2000 bereits eine Vorstellung des Museumsprojektes in den renovierten Räumen stattfinden konnte. Es gelang, die Raumstruktur der alten Volksschulklassen zu rekonstruieren und behutsam die Renovierung des denkmalgeschützten Altbestandes mit den heutigen technischen Erfordernissen eines Ausstellungsraumes harmonisch zu verbinden.

An dieser Stelle sei allen gedankt, die diesen schwierigen Weg mitgetragen haben: Den öffentlichen Stellen als Subventionsgebern, den privaten Sponsor/innen und Förderern, den Firmen und Handwerkern, den Vereinsmitgliedern und vor allem dem Vorstand, der die Hauptlast der Verantwortung zu tragen hatte. Es hat sich gelohnt, bis 2001 zu warten!“

Wertvolles Erbe

Mag. Christina Steinmetzer besuchte zusammen mit ihrem Sohn, dem Kunsthistoriker Dr. Georg Steinmetzer, im Zuge ihrer Recherchen über die Zinkenbacher Malerkolonie die Künstlerin Lisel Salzer in Seattle. Aus diesem Besuch ging der erste Sammlungsbestand des Museums hervor, denn die Künstlerin vermachte dem Verein im Jahre 2002 23 Ölbilder und 200 Grafiken.

Im Jahre 2009 legte Christina Steinmetzer ihre Tätigkeit als Vorständin des Vereins zurück und ist seither Ehrenvorsitzende. Ihr gilt großer Dank, denn ohne ihr Engagement hätte das Museum Zinkenbacher Malerkolonie nicht realisiert werden können.

(Als Initiatorin und Gründerin berichtet Mag. Christina Steinmetzer über die Entstehung des Museums Zinkenbacher Malerkolonie).

Audioguide: